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Zwischen Zunftgeheimnisses und Zauberkraft
"Haben wir Sorge, daß durch die Enthüllung des
Zunftgeheimnisses die Zauberkraft unseres Medizinmanndaseins geschwächt
werden könnte", fragt der Berliner Arzt und Pharmakologe
Bruno Müller-Oerlinghausen ketzerisch? Oder warum wird der
Placeboforschung sonst nicht intensiver nachgegangen? Medizin-Anthropologe
Dan Molermann, University of Michigan, Dearborn: "Wenn ein
Heiler in einem Federkostüm das Immunsystem eines Kranken letztlich
genauso gut stimulieren kann wie ein Arzt in einem weissen Kittel,
wer will dann noch sagen, was besser ist?" Interessant ist
die Placebowirkung bei teuren Psychopharmaka: Bis zu 1.000 Euro
kann die monatliche Ruhigstellung eines Schizophrenen kosten, eine
$ Milliarden Industrie, die sich durch Forscher wie Irving Kirsch,
University of Connecticut, Storr, herausgefordert fühlt.
Der Psychologe nach einer kritischen Analyse von 19 klinischen
Tests mit Antideppressiva: Drei Viertel der Wirkungen beruhen auf
einem Placeboeffekt. Und der funktioniert selbst bei Knieoperationen,
wenn Ärzte harmlose Schnitte vortäuschen, statt
am Miniskus operieren. In einer Studie hatten die Patienten nach
zwei Jahren die gleiche Heilungsquote wie die tatsächlich Operierten.
Der britische Mediziner J. N. Blau hat es in der Fachzeitschrift
Lancet so ausgedrückt: "Der Arzt, der keinen Placebo-Effekt
bei seinen Patienten bewirkt, sollte lieber Pathologe oder Anästhesist
werden." In einfachen Worten, wenn der Patient sich durch Ihre
Konsultation nicht besser fühlt, dann sollten Sie sich einen
anderen Beruf suchen".

Was die Wirkung von Placebos fördert
Möchte man als Arzt die Wirkung von Placebos maximieren, so
sollte man folgende Punkte beachten:
1. Die Beschaffenheit der Placebo-Tabletten spielt eine gewisse
Rolle: sehr kleine und sehr große Tabletten wirken besser
als mittel große. Auch die Farbe ist wichtig: Grüne Pillen
helfen bei Angstzuständen besser, wohingegen es gelbe eher
bei Depressionen tun. Grundsätzlich gilt aber: Wenn die´Lieblingsfarbe
des Patienten bekannt ist, sollte er Pillen in dieser Farbe´bekommen.
Patienten mit rheumatischer Arthritis reagieren seltsamerweise besonders
auf rote Tabletten. Spritzen wirken besser als Tabletten und besonders
das purpurrote Vitamin B-12 als Injektion in das Gesäß
wirkt Wunder. Wenn es ein Saft sein soll, sollte er möglichst
unangenehm schmecken, damit die Wirkung optimal ist. Auch
Brausetabletten wirken "Wunder", wenn sie sichtbar mit
einer Pinzette in das Wasserglas fallen gelassen werden, so berichtet
Grünbaum im Jahre 1986 {20, 136}.
2. Als Schlafmittel wirken Placebos in Form von Tabletten in 49%
der Fälle, als "Schlaftrunk" zubereitet in 71% der
Fälle und als Schlafkapsel in schillernden Farben in 81% der
Fälle erfolgreich.
3. Darüber hinaus trägt auch der Name zum Heilerfolg
bei: Suggestive Namen (Hallo Wach) oder wissenschaftliche Namen
(H3-Quam-Tabletten; CEBOPLAS) schaffen nachweislich mehr Vertrauen.
4. Wenn der behandelnde Arzt selbst "Feuer und Flamme"
für eine bestimmte Behandlungsmethode ist, wird sich seine
Begeisterung auch auf den Patienten übertragen. Placebos wirken
bei kritischen Ärzten schlechter - auch wenn sie ihre Skepsis
nicht offen zur Schau tragen. Die Injektion eines Arztes ist wirksamer
als die einer Krankenschwester. Ein anderes Beispiel: Wenn ein Arzt
ein Placebo zur Schmerzminderung spritzt, so ist es doppelt so wirksam,
wenn er davon ausgeht, daß es sich um Morphium handelt, als
wenn er glaubt, daß es sich nur um ein schwaches Medikament
handelt ...
aus: "Placebo,
Hypnose und Psychosomatik -
die Macht unseres Geistes über den Körper"

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